Agentic Coding
Start › 9 · Agentic Coding
Agentic Coding – KI als Programmier-Kollege
Das derzeit größte Anwendungsfeld für Agenten: KI, die selbstständig programmiert – Dateien liest, Code schreibt, Tests ausführt, Fehler behebt. Hier landen viele Begriffe aus deiner Liste: Claude Code, Codex, Gemini, CLAUDE.md, AGENTS.md, Vibe Coding, Markdown, GitHub.
Agentic Coding KI programmiert selbstständig
Der Arbeitsstil, bei dem die KI nicht nur Code vorschlägt, sondern selbst arbeitet: Dateien lesen, Befehle ausführen, Änderungen machen, Tests laufen lassen – während du zuschaust, umlenkst oder etwas anderes tust.
Agentic Coding — Der neue Arbeitsstil: KI programmiert, Mensch dirigiert
1Begriff
Agentic Coding: Software-Entwicklung, bei der ein KI-Agent selbstständig Dateien liest/ändert, Befehle und Tests ausführt und iteriert – der Mensch gibt Ziele vor, prüft und lenkt.
2Bedeutung
Der größte Produktivitätsschub der Branche seit Jahren und das Testfeld, auf dem Agenten-Technik reift (alles von MCP bis Subagenten kam übers Coding zur Reife). Verändert Rollen: weniger Tippen, mehr Spezifizieren + Reviewen.
3Funktionsweise
Schaubild 11: Auftrag → Agent arbeitet die agentische Schleife am Repository ab (lesen → planen → editieren → Tests laufen lassen → korrigieren) → Ergebnis als Commit/Pull Request → Review-Feedback zurück in die Schleife. Erfolgs-Zutaten: Verification Loop (Tests/Build als objektives „fertig“), gute Steuer-Dateien, kleine, klar geschnittene Aufgaben.
4Hintergrund
Evolution: Autovervollständigung (Copilot 2021) → Chat-Assistenz → agentische CLI/IDE-Tools (2024/25) → Cloud-Agenten, die parallel ganze Tickets abarbeiten. Studienlage: große Zeitgewinne bei Routine/Boilerplate; Qualität steht und fällt mit Review-Disziplin und Testabdeckung.
5Werkzeuge (Auswahl)
| Tool | Anbieter | Form |
|---|---|---|
| Claude Code | Anthropic | CLI · IDE · Desktop · Web |
| Codex | OpenAI | CLI · IDE · Cloud-Agent |
| Gemini CLI / Jules | CLI (OSS) · Cloud-Agent | |
| Cursor / Windsurf | — | KI-IDEs |
| Copilot (Agent-Modus) | GitHub/MS | IDE · github.com |
| Aider | OSS | CLI, modelloffen |
6Vor- & Nachteile
- + Enorme Geschwindigkeit bei Routine, Tests & Doku „gratis“ mit, Einstieg für Nicht-Profis, parallele Aufgaben.
- − Ungeprüfter Code = Sicherheits-/Qualitätsrisiko; Skill-Verkümmerung als Team-Thema; Kosten bei Dauerbetrieb; Kontext-Grenzen bei Riesen-Codebasen.
7Kosten
Einstieg in Chat-Abos enthalten (~20 €/M); Power-Nutzung via Max/Pro-Stufen 100–250 €/M oder API-Verbrauch (intensiver Entwickler: oft 50–500 €/M – gegen Entwickler-Stundensätze fast immer günstig).
8Empfehlung
Heute Standard-Arbeitsweise – aber als Paar: Agent schreibt, Mensch reviewt; Tests zuerst einfordern; mit Git arbeiten (alles reversibel). Einstieg: kleines echtes Projekt + AGENTS.md schreiben + Aufgaben in PR-große Häppchen schneiden.
Vibe Coding Programmieren nach Gefühl
Der (halb scherzhafte) Begriff von Andrej Karpathy (2025) für: Man beschreibt nur noch, was man will, akzeptiert die KI-Vorschläge weitgehend ungeprüft und „reitet die Vibes“. Für Prototypen befreiend – für Produktivsysteme gefährlich.
Gut für
- Prototypen & Wegwerf-Tools
- Nicht-Programmierer mit Ideen
- Schnelles Ausprobieren
Riskant für
- Produktion & sensible Daten
- Sicherheit (ungeprüfter Code)
- Wartbarkeit im Team
Vibe Coding — Beschreiben statt programmieren — befreiend und riskant
1Begriff
Vibe Coding (Andrej Karpathy, Feb. 2025): Programmieren, bei dem man nur beschreibt, was man will, KI-Output weitgehend ungeprüft übernimmt und „den Vibes vertraut“ – Fehler? Einfach die Fehlermeldung zurück an die KI.
2Bedeutung
Kulturbegriff des Jahres 2025 (Collins „Word of the Year“): Er markiert, dass Software-Erstellung erstmals ohne Programmierkenntnis möglich wird – und benennt zugleich die Sorglosigkeit, die dabei einreißen kann.
3Funktionsweise
Praktisch: natürliche Sprache → App-Gerüst in Minuten (Tools: Lovable, Replit, v0, Bolt oder direkt Claude/ChatGPT-Artefakte). Iteration per Zuruf. Der entscheidende Unterschied zu Agentic Coding: dort bleibt Review/Verifikation im Prozess – Vibe Coding verzichtet bewusst darauf.
4Hintergrund
Reale Schattenseite dokumentiert: öffentlich erreichbare Datenbanken, geleakte API-Keys, gelöschte Produktionsdaten durch „vibed“ Projekte. Führte zum Gegenbegriff-Paar: Prototyp-Modus (ok) vs. Produktions-Software (Engineering-Pflichten).
5Alternativen
- Agentic Coding mit Review: gleiche Geschwindigkeit, professioneller Rahmen.
- Low-Code/No-Code-Plattformen: geführte Sicherheit statt freiem Vibe.
- Klassisch lernen + KI: Grundverständnis macht aus Vibe-Nutzern souveräne Dirigenten.
6Vor- & Nachteile
- + Ideen → lauffähig in Stunden; Programmieren wird zugänglich; perfekt für Wegwerf-Werkzeuge & Demos.
- − Sicherheitslücken & Datenpannen; unwartbarer Code; niemand versteht das eigene System; skaliert nicht ins Team.
7Kosten
Einstieg gratis bis ~25 €/M (Tools/Abos). Die wahren Kosten lauern hinten: Ein Datenleck oder eine Neuentwicklung „richtig“ kostet ein Vielfaches des Ersparten.
8Empfehlung
Vibe Coding ja – für Prototypen, interne Helferlein, Lernen. Harte Linie bei: echten Nutzerdaten, Zahlungen, öffentlichem Betrieb – dann Review, Tests und jemanden mit Engineering-Blick dazuholen. Faustregel: „Würde ein Datenleck hier jemandem schaden? Dann kein Vibe-Modus.“
Claude Code Anthropics Coding-Agent
Anthropics Agentic Harness fürs Programmieren: läuft im Terminal (CLI), in VS Code/JetBrains, als Desktop-App und im Web. Liest Projekte, ändert Dateien, führt Befehle aus, nutzt MCP, Skills und Subagenten.
Claude Code — Anthropics Agentic-Coding-Harness — Terminal, IDE, Desktop, Web
1Begriff
Claude Code: Anthropics Agentic Harness fürs Programmieren – Claude-Modelle mit Datei-, Shell-, Git- und Web-Werkzeugen in einer agentischen Schleife. code.claude.com
2Bedeutung
Gilt als Referenz der Kategorie und Innovationstreiber: viele Konzepte, die inzwischen Standard sind (CLAUDE.md, Skills, Subagenten, Hooks, MCP-Integration), wurden hier etabliert. Auch diese Cowork-Sitzung basiert auf derselben Technik.
3Funktionsweise
Start im Projektordner → lädt CLAUDE.md/AGENTS.md, Memory & Skills → Auftrag in Alltagssprache → Agent liest Code, plant, editiert, führt Tests aus, committet auf Wunsch. Kontrolle über Permission Modes (von „alles fragen“ über Plan Mode bis autonom), Checkpoints (Esc-Esc = zurückspulen), Hooks (eigene Automatik), Subagenten & Worktrees für Parallelarbeit.
4Hintergrund
02/2025 gestartet, rasant gewachsen; Flächen: CLI, VS Code/JetBrains, Desktop-App, Web/Mobile („Claude Code on the web“), GitHub-Integration. Stärke laut Nutzerkonsens: lange, sorgfältige Mehrschritt-Aufgaben und großer Codebasen-Kontext.
5Alternativen
- Codex (OpenAI) – engster Rivale, stark bei Cloud-Parallelität.
- Gemini CLI (Google, OSS, großzügig gratis).
- Cursor/Windsurf – IDE-first statt CLI-first.
- Aider – Open Source, jedes Modell.
6Vor- & Nachteile
- + Sehr fähige Agentik, reiches Erweiterungssystem (Skills/Hooks/MCP/Plugins), überall verfügbar, feingranulare Sicherheit.
- − An Claude-Modelle gebunden; Terminal-Lastigkeit schreckt manche ab; intensive Nutzung braucht Max-Abo oder API-Budget.
7Kosten
In Claude-Abos enthalten: Pro (~20 €/M) mit Kontingent, Max (100–200 €/M) für Vielnutzer; alternativ API-Abrechnung nach Verbrauch. Kostenlos ausprobierbar im Rahmen der Free/Pro-Limits.
8Empfehlung
Erste Wahl für ernsthaftes Agentic Coding – besonders in großen/komplexen Projekten. Einstiegsrezept: Pro-Abo, VS-Code-Erweiterung, eine gute AGENTS.md, Plan Mode für alles Größere. Parallel Gemini CLI (gratis) als Zweitmeinung testen.
Codex OpenAIs Coding-Agent
OpenAIs Gegenstück: als CLI, IDE-Erweiterung und Cloud-Agent, der Aufgaben in isolierten Containern parallel abarbeitet – z.B. mehrere Bugfixes gleichzeitig, jeweils als fertiger Pull Request.
Codex (OpenAI) — OpenAIs Coding-Agent — lokal per CLI, parallel in der Cloud
1Begriff
Codex: OpenAIs Agentic-Coding-Produktfamilie – Codex CLI (Terminal, Open Source), IDE-Erweiterung und der Cloud-Agent, der Aufgaben in isolierten Containern abarbeitet. openai.com/codex
2Bedeutung
Der direkte Gegenspieler zu Claude Code; Alleinstellungsmerkmal ist die nahtlose Cloud-Delegation: mehrere Tickets gleichzeitig wegschicken, später fertige Pull Requests einsammeln – Coding als „Aufgaben-Postfach“.
3Funktionsweise
Lokal: gleiche agentische Schleife wie die Konkurrenz, konfiguriert über AGENTS.md. Cloud: Repo wird in eine Sandbox geklont, der Agent (spezialisierte GPT-Codex-Modelle) arbeitet autonom, Ergebnis kommt als PR zur Review; Steuerung auch aus ChatGPT (Web/App) und Slack heraus.
4Hintergrund
Namens-Verwirrung mit Geschichte: „Codex“ hieß schon 2021 das Modell hinter GitHub Copilot; 2025 wurde der Name als Agent-Produkt wiederbelebt – alte Artikel meinen also etwas anderes. Bindung: läuft auf OpenAI-Modellen.
5Alternativen
- Claude Code – siehe dort; oft Kopf-an-Kopf.
- Gemini CLI/Jules (Google) – Gratis-Einstieg, Cloud-Agent Jules.
- GitHub Copilot Agent – direkt in github.com integriert.
- Devin (Cognition) – der „autonome KI-Entwickler“ als Service.
6Vor- & Nachteile
- + Cloud-Parallelität ausgereift, tiefe ChatGPT-Integration, CLI Open Source, starke Codex-Modelle.
- − OpenAI-Modellbindung; lokale Erweiterbarkeit (Skills-Äquivalent) schlanker als bei Claude Code; Cloud-Agent = Code verlässt das Haus (Enterprise-Regelungen nutzen).
7Kosten
In ChatGPT-Abos enthalten (Plus ~23 €/M mit Kontingent, Pro ~229 €/M großzügig); alternativ API-Abrechnung. CLI selbst kostenlos.
8Empfehlung
Wer ohnehin im OpenAI-Ökosystem lebt, bekommt hier das rundeste Paket – besonders für den Workflow „viele kleine Tickets parallel in die Cloud“. Am besten: Claude Code und Codex je eine Woche am eigenen Repo testen; die Unterschiede sind Geschmacks- und Aufgabensache.
Markdown / .md Einfaches Textformat
Ein simples Textformat: # für Überschriften, **fett**, - für Listen – lesbar als Rohtext, hübsch gerendert in jeder App. Die Muttersprache der KI-Welt: Modelle antworten in Markdown, und fast alle Steuer-Dateien (.md) sind Markdown.
Markdown (.md) — Das einfache Textformat — Muttersprache der KI-Welt
1Begriff
Markdown (John Gruber, 2004): Auszeichnungssprache in Klartext – # Überschrift, **fett**, - Liste, [Link](url). Dateiendung .md; Standard-Dialekte: CommonMark, GitHub Flavored Markdown (commonmark.org).
2Bedeutung
Das Textformat der KI-Ära: Modelle antworten in Markdown, Trainingsdaten sind voll davon, und praktisch alle Steuer-/Wissensdateien der Agentenwelt (CLAUDE.md/AGENTS.md, SKILL.md, README.md) sind Markdown.
3Funktionsweise
Klartext mit leichter Syntax → jeder Editor kann es lesen/schreiben; Renderer (GitHub, Chat-Apps, Wikis) machen daraus formatierte Ansicht. Für LLMs ideal: Struktur ohne Ballast – dieselbe Information kostet als Markdown einen Bruchteil der Tokens von Word/HTML.
4Hintergrund
Deshalb konvertieren KI-Pipelines Dokumente vor der Verarbeitung nach Markdown (Werkzeuge wie Docling, MarkItDown), und Webseiten bieten „llms.txt“/Markdown-Versionen für KI-Zugriff an. Git-freundlich: Änderungen zeilenweise nachvollziehbar – Wissen wird versionierbar wie Code.
5Alternativen
- Word/Docs: fürs Endprodukt mit Layout – nicht für Maschinen-Wissen.
- HTML: mächtiger, aber geschwätzig (Token-teuer).
- AsciiDoc/reStructuredText: mächtigere Doku-Formate, Nische.
- JSON/YAML: für Daten statt Prosa.
6Vor- & Nachteile
- + Menschen- und maschinenlesbar, token-effizient, zukunftssicher (Klartext!), überall unterstützt.
- − Kein Seitenlayout/komplexe Tabellen; Dialekt-Unterschiede in Details.
7Kosten
Kostenlos; Lernaufwand ~30 Minuten. Editor-Tipps: Obsidian, Typora, VS Code – oder einfach jede KI („schreib mir das als Markdown“).
8Empfehlung
Die halbe Stunde Lernzeit lohnt doppelt: Du verstehst, was KI ausgibt, und kannst Agenten-Steuerdateien selbst pflegen. Firmenwissen, das KI nutzen soll, am besten gleich in Markdown führen (Wiki/Repo) – das ist die KI-freundlichste Wissensablage.
CLAUDE.md · AGENTS.md · design.md Steuer-Dateien für Agenten
Markdown-Dateien im Projekt, die dem Coding-Agenten dauerhafte Anweisungen geben: Projektregeln, Konventionen, „mach immer X, nie Y“. CLAUDE.md ist Claude-spezifisch, AGENTS.md der herstellerübergreifende offene Standard dafür; design.md (Konvention) hält Architektur-/Designentscheidungen fest.
CLAUDE.md · AGENTS.md · design.md — Steuer-Dateien: die Einarbeitungsmappe für KI-Agenten
1Begriff
Markdown-Dateien im Projekt, die Agenten dauerhaft anleiten: CLAUDE.md (Claude-spezifisch), AGENTS.md (herstellerübergreifender offener Standard, agents.md – von Codex, Gemini CLI, Cursor u.v.a. gelesen), design.md (Konvention für Architektur-/Designentscheidungen).
2Bedeutung
Der größte Einzelhebel für Agentic-Coding-Qualität: Statt jedem neuen Chat dieselben Regeln zu erklären, stehen sie einmal in der Datei – Projektkonventionen, Befehle, No-Gos, Architektur.
3Funktionsweise
Beim Sitzungsstart automatisch geladen (bei Claude Code als Nachricht nach dem System-Prompt); überlebt Compaction und wird danach frisch von der Platte gelesen. Ebenen kombinieren sich: Organisations-Policy → Nutzer (~/.claude/CLAUDE.md) → Projekt (./CLAUDE.md) → Unterordner – vom Allgemeinen zum Speziellen.
4Hintergrund
Gute Inhalte: Build-/Test-Befehle, Code-Stil, Verzeichnis-Überblick, „immer X / nie Y“-Regeln, Definition of Done. Ergänzend: Auto Memory (Notizen, die sich der Agent selbst macht) und modulare Rules-Dateien, die nur bei passenden Pfaden laden. Anti-Pattern: Romane – die Datei kostet bei jeder Sitzung Tokens.
5Alternativen
- Skills: für abrufbare Verfahren statt Dauer-Regeln.
- README.md: für Menschen – Agenten lesen sie auch, aber ungezielt.
- System-Prompts im Tool: global statt projektbezogen.
6Vor- & Nachteile
- + Konsistente Agenten-Arbeit, Team-weit via Git geteilt, einmal schreiben – immer wirken.
- − Pflege nötig (veraltete Regeln schaden!); zu lange Dateien verbrennen Kontext; zwei Standards (CLAUDE.md/AGENTS.md) – Lösung: eine Datei, die andere verweist darauf.
7Kosten
Kostenlos; „Kosten“ = die Tokens der Datei pro Sitzung – Richtwert: unter ~150 Zeilen bleiben.
8Empfehlung
Pflicht für jedes Projekt mit KI-Beteiligung: heute eine AGENTS.md anlegen (werkzeugneutral), mit den 10 wichtigsten Projekt-Fakten starten und bei jeder Agenten-Fehlleistung eine Regel ergänzen – so wird die Datei organisch besser. Tipp: den Agenten den ersten Entwurf selbst schreiben lassen („analysiere das Repo und erstelle eine AGENTS.md“).
.ignore-Dateien .gitignore & Co. Ausschluss-Listen
Textdateien, die festlegen, was ignoriert werden soll: .gitignore hält Dateien aus der Versionskontrolle (Passwörter, Build-Müll, riesige Daten), Varianten wie .dockerignore oder KI-spezifische Ignore-Regeln halten Inhalte aus dem Kontext des Agenten.
.ignore-Dateien (.gitignore & Co.) — Ausschluss-Listen: was Versionskontrolle und KI nicht sehen sollen
1Begriff
.gitignore: Textdatei mit Mustern, welche Dateien Git ignoriert. Familie: .dockerignore, .npmignore und KI-Varianten wie .aiexclude/.cursorignore bzw. Ignore-Einstellungen der Agenten.
2Bedeutung
Doppelt kritisch im KI-Zeitalter: (a) Sicherheit – Geheimnisse (.env, Schlüssel, Kundendaten) dürfen weder ins Repo noch in den Kontext/Prompt eines Cloud-Modells; (b) Kontext-Hygiene – Agenten sollen nicht durch zehntausende irrelevante Dateien (node_modules, Builds) waten.
3Funktionsweise
Einfache Muster, eine pro Zeile: *.log, build/, .env; !wichtig.log nimmt aus. Git prüft die Liste bei jedem Hinzufügen; KI-Harnesses respektieren .gitignore meist automatisch beim Datei-Lesen und bieten eigene Zusatzlisten für „darf die KI nicht sehen“.
4Hintergrund
Klassische Pannen: API-Key committed → in Minuten von Bots gefunden und missbraucht; „vibed“ Projekte ohne .gitignore leaken Zugangsdaten. Wichtig: Was schon committed wurde, bleibt in der Git-Historie – ignorieren wirkt nur vorwärts; geleakte Schlüssel immer rotieren. Vorlagen: github.com/github/gitignore.
5Alternativen / Ergänzungen
- Secret-Manager (Vault, Cloud-KMS): Geheimnisse gehören gar nicht erst in Dateien im Repo.
- Secret-Scanner (gitleaks, GitHub Secret Scanning): Netz unter dem Netz.
- Berechtigungen im Harness: Verzeichnisse für den Agenten komplett sperren.
6Vor- & Nachteile
- + Trivial einzurichten, verhindert teure Unfälle, beschleunigt Agenten spürbar.
- − Wirkt nicht rückwirkend; falsch gesetzte Muster verstecken auch Nützliches; wiegt in falscher Sicherheit, wenn Secrets doch woanders liegen.
7Kosten
Kostenlos, fünf Minuten Arbeit – gegen potenziell fünfstellige Schäden durch geleakte Cloud-Schlüssel.
8Empfehlung
In jedem Projekt Minute 1: .gitignore aus Vorlage + .env-Eintrag; Schlüssel nur in Umgebungsvariablen/Secret-Manager. Beim KI-Einsatz zusätzlich prüfen, welche Ordner der Agent sehen darf – „not in context“ ist die einfachste Datenschutz-Maßnahme.
GitHub / GitLab Code-Zentrale & Zusammenarbeit
Plattformen rund um die Versionsverwaltung Git: Code speichern, jede Änderung nachvollziehen, im Team zusammenarbeiten. Für KI dreifach relevant: Bezugsquelle der Open-Source-Tools, Arbeitsplatz der Coding-Agenten, anbindbar per MCP.
GitHub / GitLab — Die Code-Zentralen — und der Arbeitsplatz der Coding-Agenten
1Begriff
Git = verteilte Versionskontrolle (Linus Torvalds, 2005). GitHub (github.com, Microsoft) und GitLab (gitlab.com) = Plattformen darum: Hosting, Zusammenarbeit, Automatisierung. Vokabeln: Repository, Commit, Branch, Pull/Merge Request, CI/CD.
2Bedeutung
Dreifach KI-relevant: (1) Bezugsquelle fast aller offenen KI-Werkzeuge, (2) Arbeitsplatz der Coding-Agenten (ihre Ergebnisse kommen als Pull Requests), (3) per MCP/Konnektor direkt von Agenten bedienbar. Und: Git ist das Sicherheitsnetz, das agentische Änderungen reversibel macht.
3Funktionsweise
Git protokolliert jede Änderung als Commit (Schnappschuss + Beschreibung); Branches erlauben parallele Arbeitsstände; der Pull Request bündelt Änderungen zur Prüfung („Review“), bevor sie in den Hauptzweig fließen; CI/CD (GitHub Actions/GitLab CI) testet und liefert automatisch aus. Genau in diesen Prozess docken Agenten an – als Autoren und als Reviewer.
4Hintergrund
GitHub: größte Plattform (100+ Mio. Nutzer), Heimat von Copilot; GitLab: stark bei Selbst-Hosting („die ganze DevOps-Plattform aus einer Hand“), beliebt in EU-Behörden/Konzernen. Pendant für Modelle: Hugging Face.
5Alternativen
- Bitbucket (Atlassian-Welt), Gitea/Forgejo & Codeberg (leichtgewichtig, selbst gehostet, EU), Azure DevOps.
- Für Nicht-Code-Wissen: Wikis/Notion – aber versionierbares Markdown im Git-Repo ist die KI-freundlichere Ablage.
6Vor- & Nachteile (GitHub vs. GitLab)
- GitHub + größtes Ökosystem, beste Integrationen, Copilot nativ / − US-Cloud, Selbst-Hosting nur Enterprise.
- GitLab + komplette Plattform, exzellentes Self-Hosting (Datenhoheit!) / − kleineres Ökosystem, träger.
7Kosten
Beide großzügig gratis (private Repos inkl.); Teams: GitHub Team ~4 $/Nutzer/M, Enterprise ~21 $; GitLab Premium ~29 $/Nutzer/M; Self-Hosting: GitLab CE/Gitea kostenlos + eigener Server. Copilot ab ~10 $/M.
8Empfehlung
Git-Grundlagen (Commit, Branch, PR) sind die Voraussetzung, um mit Coding-Agenten sicher zu arbeiten – ohne Git kein Zurückspulen. Standard: GitHub; bei Datenhoheits-Pflichten selbstgehostetes GitLab/Forgejo. Auch Nicht-Entwickler profitieren: Verträge, Doku, Skills – alles Versionierbare gehört in ein Repo.